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Darum fällt es uns möglicherweise so schwer, „in dem Moment“ zu leben

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Darum fällt es uns möglicherweise so schwer, „in dem Moment“ zu leben

Manchmal sind wir mit unseren Gedanken überall außer im Hier und Jetzt. Das trägt mit dazu bei, dass wir das Gefühl haben, unser Leben rauscht an uns vorbei. Warum bereitet es uns solche Schwierigkeiten, voll und ganz in einem Moment zu sein? Hier versuchen wir uns der Antwort zu nähern.

Carpe diem. Erlebe den Moment. Sei mit all deinen Sinnen im Hier und Jetzt. Das sagt sich leicht dahin und die Idee dahinter ist gar nicht schlecht. Schließlich empfinden wir Momente als intensiver, wenn wir ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit widmen. Sie berühren uns mehr, hinterlassen einen stärkeren Eindruck, haben eine höhere Chance, sich in unser Gedächtnis einzuprägen, eine Erinnerung zu werden und uns als solche in gewisser Weise erhalten zu bleiben. Das Leben rast gefühlt nicht ganz so schnell an uns vorbei, wirkt nicht ganz so flüchtig, verschwimmt nicht ganz so arg, wenn es von Momenten unterbrochen beziehungsweise durchzogen ist, auf die wir uns voll und ganz einlassen und in denen wir unsere gesamte Energie auf ein Jetzt und Hier, auf eine konkrete Situation, richten.

Doch sind solche Momente nicht viel zu selten? Und werden sie nicht immer seltener, je älter wir werden? Und immer schwerer herbeizuführen? So erscheint es zumindest vielen Menschen. Und ein Grund, dass da etwas dran sein könnte, ist laut der angehenden Psychologin Grace Blair: Weil wir zu wenig üben und uns deshalb abgewöhnen, im Moment zu leben.

Wie wir verlernen, im Hier und Jetzt zu sein

In vielen gewöhnlichen Alltagsmomenten eilen unsere Gedanken voraus. Wir machen unseren Job oder den Haushalt und beschäftigen uns dabei mit dem Abendessen oder offenen To Dos, die später noch anstehen. Oft teilen wir unsere Aufmerksamkeit auch auf: Wir machen unseren Job oder den Haushalt und schauen nebenbei auf das Handy oder aufploppende Teamsnachrichten oder den Fernseher. Wir leben in mehreren Momenten gleichzeitig, aber in keinem mit voller Kraft. Und dann kommt noch hinzu: In unserer gewohnten Umgebung und unseren gewohnten Tätigkeiten und Routinen nehmen wir kaum noch irgendwelche Elemente wahr, die die einzelnen Momente ausmachen. Wir kennen den Tisch, an dem wir arbeiten, die Aussicht aus dem Fenster, den Geruch in unserem Arbeitszimmer, das Gefühl, wenn unser Rücken die Stuhllehne berührt. Wir blenden alles aus, was unsere Sinne uns liefern, weil alles bekannt und irrelevant ist.

Und so kann es passieren, dass wir, befinden wir uns in einem Moment, den wir gerne voll und ganz erleben würden, um ihn uns in unserem Gedächtnis zu bewahren und viel von ihm in uns aufzunehmen – zum Beispiel im Urlaub oder auf unserer Geburtstagsfeier –, manchmal Schwierigkeiten damit haben. Dass unsere Gedanken in die Zukunft springen und unseren Abreisetag organisieren, obwohl wir gerade erst den Koffer ausgepackt haben. Dass wir den Drang verspüren, auf unser Handy zu schauen, während unsere Freund:innen Happy Birthday für uns singen. Oder dass wir am zweiten Tag das Meer schon nicht mehr riechen, weil wir es ja gestern gerochen haben, daher bereits kennen und verlernt haben, unseren Sinneseindrücken absichtlich Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn wir an 350 Tagen im Jahr keine Momente, sondern den immer gleichen Einheitsbrei erleben, den wir lediglich an uns vorbeiziehen lassen, weil er uns nichts bedeutet, wie sollen wir an den übrigen 15 Tagen plötzlich umschalten können?

Wie wir wieder erlernen können, im Hier und Jetzt zu sein

Sofern an dieser Theorie von Grace Blair etwas dran ist, schlüssig erscheint sie zumindest, ist klar, was wir tun können, um wieder zu erlernen, in dem Moment zu leben: Üben. Und zwar nicht nur in Augenblicken, in denen es klappen soll, sondern auch in gewöhnlichen Alltagssituationen, die vielleicht gar nicht so erinnerungswürdig sind. Wonach riecht es eigentlich in meinem Arbeitszimmer? Was bedeutet mir mein Job oder diese Tätigkeit, der ich jeden Tag meines Lebens so viel Zeit widme? Wann und warum fällt es mir schwer, ihr meine volle Aufmerksamkeit zu schenken? Was gibt es mir, zwischendurch mein Handy in die Hand zu nehmen und Instagram-Storys anzuschauen oder mein Abendessen zu planen? Uns solche Fragen im Alltag zu stellen, kann unsere Achtsamkeit verbessern und unseren Blick schärfen für das, was einen Moment ausmacht und was er in uns auslöst.

Darüber hinaus können wir uns darum bemühen, unseren Alltag einigermaßen abwechslungsreich zu gestalten: Nicht immer nur dieselbe Freundin treffen, sondern uns mit unterschiedlichen Menschen umgeben. Nicht immer dieselbe Joggingrunde laufen, sondern variieren. Nicht aus Prinzip jeden Tag um 12 Uhr Mittag essen, sondern wenn wir Hunger oder Lust darauf haben. Gelegentliche Ausflüge unternehmen, Neues ausprobieren, erste Male erleben. Bei Abwechslung fährt unsere Aufmerksamkeit meist leichter und auf natürliche Weise hoch. Solange sie nicht zur Routine wird.

Ständig im Hier und Jetzt zu sein, ist auch keine Lösung (und nicht möglich)

Wir müssen und können nicht jeden, jeden, jeden Moment unseres Lebens in maximaler Intensität erfahren und in unserem Gedächtnis bewahren. Wir erleben eben Höhepunkte, also besonders wichtige, bedeutsame, beeindruckende Momente, und Alltägliches. Und es muss einen Unterschied zwischen beidem geben, denn sonst gäbe es für uns weder das eine noch das andere. Dass wir uns an Umstände gewöhnen, (bekannte) Sinneseindrücke ausblenden, voraus- oder zurückdenken – all das hat seinen Sinn und es ist gut, dass wir das können. Doch diese andere Seite an uns, diese Fähigkeit, uns in bloßem, völligem Erleben eines Moments zu verlieren, hat ebenso ihre Berechtigung und gehört genauso zu uns. Im Idealfall bietet unser Leben beiden Seiten ausreichend Raum. Denn wirklich gut, vollständig und erfüllt können wir uns wahrscheinlich nur fühlen, wenn wir beide Seiten kennen, begreifen, akzeptieren und entfalten.

Verwendete Quelle: psychologytoday.com

Brigitte

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